Mörderwheelie

Ein sehr grauer Novembertag in der Wiener Stadt. Die Temperatur war verhältnismäßig angenehm ( um die 12 °). Hektik wohin man sah. Überall krochen die Käfige mit ihren Handy telefonierenden Insassen, die natürlich von ihrer Umwelt nichts mitbekamen, durch die engen Gassen des 3. Bezirkes. Ich befand mich gerade auf der Heimfahrt in Richtung 10. Bezirks. So fuhr ich zwischen den Käfigen Slalom und bewegte die Kant´n (KTM - für die deutschen Freunde) doch ziemlich flott. Es machte langsam richtig Spaß und es schoß mir dieses geile Gefühl in die müden Knochen. Jeder der sein Bike schnell und doch sicher bewegt, kennt dieses Gefühl. Man wird fast eins mit seinem Gerät und triumphiert wegen der absoluten Beherrschung des technischen Dings unter seinem Arsch.

Bei einer Ampel die Rotlicht zeigte, hatte ich die Pole-Position eingenommen. Plötzlich hörte ich neben mir ein zweites Einzylinder-Bollern. Ich drehte den Kopf nach rechts und sah ......man glaubt es kaum ..... eine KTM, die meiner zum Verwechseln ähnlich sah. Es war exakt dieselbe Type ...LC 4 -400. Da man dieses Motorrad , noch dazu im gleichen Farbton, ja nicht sehr oft zu sehen bekam, war ich natürlich etwas verblüfft.

Der Fahrer der Schwester-Kant´n nickte kurz in meine Richtung und nahm Kampf-Haltung an. Er schob seinen Oberkörper nach vorne, winkelte beide Arme in Supermoto-Manier ab und gab immer wieder kurze Gasstöße.
So - dachte ich, do hom mas - der Typ war wesentlich leichter und kleiner als ich. Mir gingen kurz die Worte von Julius durch den Kopf: "Des hob i notwendig ghobt!". Der Typ wird mich total leicht herbrennen.

NEIN! AUS! So nicht!

Ich konzentrierte mich total auf die Ampel und hatte natürlich schon den 1.Gang eingelegt. Weiters hielt ich den Motor am Gas, um genügend Drehzahl beim Wegbeschleunigen zu haben. Die Ampel schaltete um und ........
ich ließ die Kupplung ein wenig zu schnell aus, gab gleichzeitig ordentlich Gas ... und der Vorderreifen entfernte sich vom Boden. Er stieg und stieg und wollte nicht mehr zurück zur Erde. Ich war natürlich überrascht und reagierte dann auch zu spät. So übersetzte ich mit einem wirklich sehenswerten Wheelie die Kreuzung. Mir war´s mittlerweile auch wurscht und ich hatte nur den Gegner neben mir im Sinn. So schaltete ich auf den Zweier und gab nochmal gewaltig Gas! Schön langsam kam der Vorderreifen wieder herunter und ich sah im Rückblickspiegel .....den Typ mit der Schwester-Kant´n!
JAAAHHHHH! Ich schrie in den Helm - geschafft. Verblasen, hergebrannt, gewonnen !!!!!

Ob der Typ nur wegen meiner Fahrerei so verblüfft war und deshalb auf´s Gas geben vergessen hatte, oder ob er möglicherweise doch ein schwächeres Bike hatte, wird mir ewig verschlossen bleiben!

Tatsache war: der Tag endete wirklich schön! Es sind die kleinen Dinge im Leben, die einem wirklich gut tun und das Leben lebenswert machen ! Außerdem bleibt man - wenn auch nur geistig - jung !

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