Mörderwheelie II

Endlich, nach langem Warten in diesem unendlich währenden Winter, startete ich meinen schwarzen Liebling vor der Garage. Die Mille sprang wie schon gewohnt, sofort an und brummte vor sich hin. Ahh, wie hab ich diesen Sound schon vermißt. Ein paar kurze Gasstöße und sie bellte heiser ihren einmaligen Sound durch den Bezirk. So nahm ich Platz und dirigierte die Schwarze durch den 10. Bezirk in Richtung Neusiedler See.

Ich war überrascht, wie rein die Straßen eigentlich schon waren. Lediglich die Kurven durchs Leithagebirge fuhr ich ein wenig verhalten, da dort die Traktoren wie immer den Dreck auf die Straße transportiert hatten. Aber ich war in guter Laune und so freute ich mich über die traumhafte Leistungsentfaltung der Mille. Den so angenehmen Druck der Mitte hatte ich fast schon vergessen. Außerdem dachte ich wieder daran, warum die ÖHLINS-Komponenten so teuer sind. Es hat schon seinen guten Grund.

Bei der Rückfahrt gab ich schon ein wenig Gas und zippte mich bei den zahlreichen Käfigen vorbei. So kam ich bis zur Laaerbergstraße. An einer Kreuzung tauchte plötzlich neben mir eine japanische Groß-Enduro (keine Ahnung, welche Marke - die schaun alle gleich aus !) auf. Man hörte die Maschine gar nicht - auch kein Wunder, die klingen bald alle wie Elektromotorräder. So machte ich mich bereit, diesen Jüngling ordentlich herzubrennen.

Da ich die letzten zwei Wochen mit meiner KTM unterwegs war, gab ich beim Beschleunigen offensichtlich so viel Gas wie mit dieser. Das hätte ich aber nicht tun sollen, da die Mille so schnell mit dem Vorderrad in der Höhe war, daß ich keine Zeit hatte, mich darauf einzustellen. Das Rad stieg und stieg und so hatte ich wirklich Mühe die Schwarze wieder in den Griff zu kriegen. Wahnsinn - diese Kraft ! So wheelte ich über die Kreuzung, aber eigentlich wollte ich dies gar nicht. So mußte ich auf die Hinterbremse - die ja nur andeutungsweise funktioniert ( ein altes Leiden der Mille ). Zusätzlich mußte ich vom Gas, da ich sonst auf meinem Kreuz gelandet wäre. Irgendwie funktionierte es und der Vorderreifen nahm wieder Bodenkontakt auf. Ein kurzer Blick in den Rückblickspiegel - der Junge mit der Enduro war hinter mir, bog aber sofort nach links ab. Wieder hatte sich ein junger aufstrebender Biker höchstwahrscheinlich folgende Fragen gestellt: Is der deppat ??? Wos soll des??? Is der total übergschnoppt???

Ich muß zugeben, daß ich einen ordentlichen Adrenalinausstoß gehabt hatte und meine "Pumpn" mächtig ausschlug. Ja, ja man muß sich an die Kraft dieser Zweizylinder-Göttin schon wieder herantasten.
Aber trotzdem hatte ich Spaß !!!!

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