Ausfahrt am 1.1.2001
Scheiße....plötzlich schießt mir der Gedanke durch den Kopf....vereist !! . Genau in der Kurve breitet sich ein, in der Sonne glänzender Eisfleck, vor mir aus. Warum nur ?- der nächste Gedanke – warum ließ ich mich auf diesen Blödsinn ein ? Temperatur: - 2 Grad, Schotter am Straßenrand, verdutzt drein schauende Autofahrer und einen Motor unter dir, der auf gar keinen Fall seine normale Betriebstemperatur erreichen will. Die Reifen weigern sich vehement, auch nur eine Spur von Grip aufzubauen, ja, mir kommt es sogar vor, als wolle die Fahrbahn den Gummi von sich stoßen.
Aber nun ist es soweit. Vor der Kurveneinfahrt versuche ich sehr, sehr locker zu bleiben. Das fällt bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nicht so leicht. Die durchgefrorenen Knochen sind noch steifer als sonst, die Muskulatur hat überhaupt den Dienst quitiert. Nur nicht verkrampfen – rede ich mir zu !
Nun ist sie da, diese Kurve. Leichtes, ja fast zartes Umlegen des Bike´s, keine Bremsmanöver, kein abruptes Abbremsen, nur den Bock rollen lassen.
Da spüre ich es schon, dieses recht eigenartiges Gefühl, wenn der Hinterreifen wegrutscht.
Fast schon geil, dieses, durch die Kurve zu „sliden“, wenn der Gummis wieder genug Haftung bekommt, um das Fahrzeug wieder zu stabilisieren. Und genau das trifft nun auf meine Situation zu. Zum Glück fängt sich der Reifen und ich kann nach der Kurve aufatmen.
Jetzt der Blick in den Rückspiegel. Wie geht´s den anderen ?
Unmittelbar hinter mir wie immer Julius, der diese Neujahrsausfahrt am 1.Jänner, mit seinem Renntier, einer 888 er Ducati mitmacht. Dieser wilde, fast ungezähmte Rennhobel, der von seinem Reiter selbst bei idealem Wetter absolute Aufmerksamkeit abverlangt, ist wahrlich nicht das, was man sich in einer vereisten Kurve wünscht. Doch auch Julius meistert die Situation vorbildlich und ich höre schon das befreite Aufbrüllen des Zweizylinders.
Der nächste der in diese miese Kurve einfährt ist Mich´l mit seiner ebenfalls nicht gerade Alltagstauglichen Buell X 1 Lighting. Dieses Gefährt ist laut Michels eigener Aussage „nicht mehr als ein Gag“. Straßenlage mehr schlecht als recht, Bremse eher zögerlich – kein Wunder bei dem Gewicht – und der Motor, ja, Ansprechverhalten wie ein Traktor. Und auch ein Drehmoment wie dieser. Selbst bei 2000 Umdrehungen schiebt dieser Ofen mörderisch an. Weggehen vom Gas ist wie eine Notbremsung.
Ich werde noch langsamer und blicke gespannt in den Rückspiegel. Kann Michel dieses Unikum unversehrt durch diese „besch.....“ Kurve bringen ?
Ja, er kann es und zwar wie immer. Mit einem Tänzeln und Herumspringen am Motorrad, wie es kein zweiter je zustande bringen würde.
Nun, der nächste: unser „Rookie“ Herbert. Er fährt mit einer Harley Road King, die ja zum Glück nicht zum Schnellfahren animiert. Doch wenn dieses fette, fast 350 kg schwere Ding zum Rutschen beginnt, gibt es nichts, absolut nichts was dich noch vor einem Sturz retten könnte. Ich mache mir etwas Sorgen, da Herbert ja nicht diese Erfahrung mitbringt, da er erst ein Jahr intensiver mit dem Bike unterwegs ist. Doch meine Angst ist unbegründet. Er führt diesen schweren Eisenhaufen souverän durch die Kurve, ohne auch nur den Anschein von Unsicherheit auszustrahlen.
Auch der letzte der Gruppe: Letti mit einer Yamaha 1100 Drag Star, die wie immer glänzt, als käme sie soeben aus dem Verkaufsraum, kommt ohne blaue Flecken und verbogenen Teilen durch die Kurve und so steuern wir unser Ziel – ein Kaffeehaus in Laxenburg – schlussendlich an.

Als wir die Böcke vor dem Kaffehaus abstellen, sind wir zwar durchgefroren, aber doch ein wenig stolz. Die Blicke der Spaziergänger und der Autofahrer lässt uns zwar leichte Zweifel aufkommen, ob nun wir, oder die anderen verrückt sind. Doch eine Bemerkung von Julius rückt die Sache wieder ins Lot : „ Die Zukunft gehört den Verrückten !“
Michel macht Konference mit der Kellnerin die in etwa so ausfällt:
„Na, ist euch nicht kalt ?“ – „Na ja, hier geht´s ja, in Kärnten war es noch kälter !“ – „Was, ihr kommt aus Kärnten ? „ – „Ja, aber am schlechtesten war es am Wechsel und dieser Schnee und bla,bla,blablaaa.“
Schließlich genossen wir alle unseren Kaffee – Julius wie immer zwei – nahmen einen kleinen Imbiß zu uns und quatschten über – ja, was wohl ?