Kornfeld Reini
Eine Ausfahrt irgendwann im August. Die Temperatur war ausnahmsweise angenehm, soll heißen - nicht zu heiß. Die Sommermonate waren in dem Jahr 2003 meistens zu heiß zum Motorradfahren. Also trafen wir uns, ich glaube, es war ein Sonntag, vor dem Haus von Reinis neuer Flamme irgendwo im 20.Bezirk.
Es kamen: Julius, G-Punkt Gernot mit drei Freunden und ich natürlich. Ursprünglich wollte Reini gemeinsam mit seiner Flamme, die ja auch Kawasaki fuhr, mitfahren, da ich Reini versprochen hatte nicht zu rasen, sondern eher zu cruisen.
Doch es kam ganz anders. Reini kam ohne Freundin, Gernot hatte noch mit Nachwirkungen einer langen Nacht zu kämpfen und ich selbst wollte eigentlich nicht nur "rumgondeln", sondern auch Gas geben.
So fuhren wir in Richtung Waldviertel. Wenig Verkehr, super Wetter und wie immer Traumkurven.
Wir kehrten irgenwo ein, tranken genüßlich unseren Kaffee und aßen eine Kleinigkeit. Außerdem führten wir Benzingespräche und hatten Mörderspaß.
Wir fuhren weiter durch die Landschaft und schwangen uns durchs Kurvenlabyrinth. Reini fuhr permanent an meinem Hinterrad, Gernot wand seine 6er Hornett´n aus, wie einen Wettex - O-Ton Gernot:"Bei mir gibts nur zwa Gasstellungen-Aus und Vollgas. Eigentlich kennt i ma an Schalter montieren lossn!" und die anderen fuhren auch alle brav mit.
Irgendwo vor Ottenschlag verschärfte ich ein wenig das Tempo. Es kam eine weitgezogene Rechtskurve und ein Bürgerkäfig kroch vor uns dahin. Ich überholte noch vor dieser Kurve, blieb am Gas und stoch in die nächste Links ein.
Ein kurzer Blick in den Rückspiegel .....was ist das? Reini nicht mehr an meinem Hinterreifen? Gibts jo net!
Ich beendete die Linkskurve und fuhr dann rechts ran.
Doch es kam niemand.
So fuhr ich die Kombination wieder zurück und was sah ich da? Reini stand bei seiner Kawa, bewegte sich hektisch und stammelte nur: "Scheiße, der Fredl is scho do!"
Da sich der Ausritt jetzt natürlich nicht mehr verheimlichen ließ, schilderte Gernot, welcher unmittelbar hinter Reini gefahren war, den Vorfall:
"I hob no gsehn, wia da Fredl des Wagl überholt hot. Donn zog Reini des Gas auf, is oba unhamlich schnöll in die Kurvn einegfoahrn und is noch links umegwandert. Durt hot er donn a Schneisn in die Wiesn zogn, is oba no weidagfoarhn, gonz knapp bei an Lichtmost vurbei und is im Kornfeld vaschwundn. Wia i ogstiegen bin und zu eam hingwondert bin, siech i den Reini im Kornfeld nebn seiner Kawa steh und wollt unbedingt des Radl wieder aufstölln. Dabei hot er irgendwos gmurmelt wia-schnöll, da Fredl is no net do! Schnöll, hüf ma !. Mir hom donn des Radl auf die Stroßn zaht."
Nach Begutachtung der Stelle mit einigen bissigen Kommentaren, machten wir auch Fotos, da Gernot zum Glück seine Handy-Kamera dabei hatte. Die Kawa hatte kein Schaltgestänge mehr ( wurde bei Überfuhr einer Straßenbegrenzung abgerissen ), einen kleinen Sprung in der Verkleidung und Reini humpelte, da er sich eine dicke große Zehe zuzog.

Irgendwer stimmte den Song - "Ein Bett im Kornfeld" - an und wir fuhren weiter. Reini mußte allerdings alles mit dem dritten Gang fahren.
Alles in allem hatte Reini "a Murdsmasl", da er nur um wenige Zentimeter einen Strommast verfehlte. Doch wie heißt es so treffend: man muß im Leben auch Glück haben!