Eine Winterausfahrt

Die Sonne lacht vom Himmel. Doch die Außentemperaturen liegen zwischen +2 und +3 Grad. Es ist im Schatten empfindlich kalt.
Aber was soll´s ? Schon lange habe ich mein Gerät nicht angestartet, hab das typische Zweizylinderbollern vermißt.
So öffne ich das Garagentor und schau erstmals seit langer Zeit in die Scheinwerfermaske, die mir fast schon zuzwinkert.
"Na komm schon. du fauler Hund, wirf meinen Motor an und laß mich wieder einmal durch die Landschaft fetzen!".
So lasse ich mich nicht zweimal bitten und greife nach meinem Helm. Scheiße, den hätte ich auch noch ordentlich reinigen sollen! Also - zuerst ist einmal Helmpflege angesagt!
Nach dieser Prozedur bin ich endlich einsatzbereit. Ich schiebe meine schwarze Schönheit aus der Garage und freue mich zuerst über dieses geringe Gewicht. Schon super - die Motorräder werden heutzutage immer leichter und wir selbst immer schwerer!


Egal, raus auf die Straße. Bevor ich aufsteige, wundere ich mich noch, wie relativ beweglich ich mit meiner Aurüstung doch noch bin.
Ein Wunder, denn ich habe 3 Lagen Stoff und darüber noch Gore-Tex an. Doch auf die dicken Handschuhe verzichte ich - wegen dem Gefühl für Gas und Bremsen. Ist möglicherweise eine Eigenart von mir, aber ich habe lieber kältere Hände als kein Gefühl beim Bremsen.
So nehme ich Platz, drehe die Standgasanreicherung auf - früher sagte man Choke - und starte.
Sie springt sofort an, obwohl sie seit längerer Zeit bei MInusgraden abgestellt war.
Der Motor hüstelt ein wenig, blubbert und hat noch keinen einwandfreien Lauf, doch das kommt schon noch. Kupplung, "Erste" rein und Abfahrt. So bewegen wir uns zuerst von einer Kreuzung zur Nächsten, macht mir aber vorerst nichts aus, so kann sich der Motor einmal fangen.
Beim Verteilerkreis habe ich die normale Wassertemperatur erreicht.
Also einmal ein wenig am Gas ziehen .....doch ups... der Hinterreifen hat 0 Grip und kommt langsam nach vorne.....
......a Wahnsinn, der Rossi macht das gewollt und wird dabei noch schneller ......wieder weniger Gas und langsam mit Gefühl in die Kurve.
Na also, geht ja ...fast spreche ich mit meinem Bike ....stell dich nicht so an, mach keine Faxn ...keep cool !
Ich selbst habs schon cool, da mit zunehmender Fahrgeschwindigkeit die Temperaturen immer bissiger werden. Auch wurscht, jetzt hält mich nichts mehr auf.
Rauf auf die Tangente, in Richtung Süden - klingt immer gut und wärmt innerlich !
Irgendwo im Wienerwald verlasse ich das "Bandl" und fahre auf den Landstraßen weiter. Vorerst langsam und mit viel Gefühl bewege ich mich dahin.
Die Kälte spüre ich eigentlich nicht sehr, da ich mich voll konzentrieren muß. Der Asphalt ist in einem jämmerlichen Zustand, feucht und verdreckt. Wieder einmal verfluche ich die vielen landwirtschaftlichen Geräte, die tonnenweise Erde und Dreck auf der Straße verteilen.
Also langsam, ich kann abolut nicht brauchen, daß sich mein Bike und Körper, mit diesem Dreck auf der Fahrbahn vermischen!
Irgendwo nach 50 Kilometern bleibe ich stehen und zünde mir einen Tschigg an. Herrlich, kein Verkehr - so kann ich das Knistern des heißen Motors wahrnehmen!
Wieder hab ich den Eindruck, als ob die "Schwarze" mit mir sprechen möchte: "Endlich, war höchste Zeit, endlich wieder Bewegung! Herrlich!"

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