Hier einige Berichte und Meinungen über die Moto Guzzi Sport 1100 i.EMotorrad, Heft 8, 31.3.1993:
Im Standgas zwar mächtig schüttelnd, die Stummellenkerenden schlagend,
dreht der Motor aber ab 3000 Touren sauber hoch, ohne sich beim plötzlichen Gasaufziehen zu verschlucken.
Das bekannte Leistungsloch im mittleren Drehzahlbereich ist der 1100 Sport völlig fremd.
Ganz gleich bei welcher Drehzahl, stets beschleunigt die rund 236 kg schwere Sportlerin so kraftvoll,
dass man geneigt ist, schaltfaul, wenn nicht gar untertourig zu fahren.
Wofür es allerdings noch einen anderen Grund gibt. Denn das Fünfganggetriebe ist alles andere als leicht
und exakt schaltbar. Laut und nur mit Nachdruck erfolgt ein Gangwechsel.
An dieser Stelle auch gleich eine Kritik an den Komandostand. Der Gasdrehgriff lässt sich nicht mit einem Zug bis zum Anschlag aufziehen.
Auf der 1100 Sport sitzt es sich ganz wie in alten Zeiten: langgestreckt, den Oberkörper weit vorgebeugt,
die Hände auf den an der Gabel angeschnallten Lenkerstummeln abgestützt.
Das Guzzi-eigene Integral-Bremssystem, das in den Le Mans-Modellen zum Einsatz kam, gehört bei der Sport zum alten Eisen.
Bei ihr packen zwei Vierkolbenbremszangen nicht nur energisch, sondern auch wohldosierbar an den 320 Millimeter messenden Bremsscheiben zu.
Die kleinere 260er Scheibe hinten mit Zweikolbenzange unterstützt die Frontstopper tatkräftig.
Die harten Zeiten italienischer Fahrwerksabstimmung sind auch bei Guzzi vorbei.
Vorn mit einer kräftigen Marzocchi - Gabel und hinten mit einem White Power Federbein bestückt,
hat man in Mandello eine zwar sportlich straffe, aber ausreichend komfortable Abstimmung gefunden.
Selbst feine Unebenheiten sprechen die Federelemente senibel genug an. Weit auffälliger noch ist die Handlichkeit,
mit der die 1100 Sport selbst die winkeligsten Strassen der angrenzenden Beramasker Alpen nimmt.
Egal, ob 1100 Sport oder Le Mans V (wie der Tester die 1100 Sport sah), die neue Moto Guzzi 1100 Sport hinterlässt den Eindruck,
mal wieder ein Sportmotorrad aus Mandello zu werden, das sich für eingefleischte Le Mans Fahrer zu kaufen lohntü
üMO, Heft 7/95:
Stimmung im Guzzi Lager. Alles ist da: mehr Hubraum. die momentabgestützte Schwinge, die alten DellOrto Vergaser,
hochwertige Federelemente und eine elegante Linienführung. Guzzisten aller Länder sind wieder guter Dinge.ä
Die neue 1100 Sport ist die lotgerechte Antwort für alle sportlich gesinnten Freunde der Marke vom Comer See.
Guzzi-Motorräder, und speziell diese 1100 Sport, geben dem Besitzer das beruhigende Gefühl, mit einem Standard Werkzeugsatz
noch alle anfallenden Arbeiten selbst erledigen zu können. Und in dieser Beziehung ist die 1100 Sport eine Guzzi durch und durch.
Schwergängig wie gehabt lassen sich die Vergaserschieber anheben, dazu ist der Drehwinkel am Gasgriff enorm gross.
Auch mit der serienmässigen Abstimmung der Gemischaufbereiter bekommt der Guzzist seine Hausaufgaben gleich mitgeliefert.
Im Leerlauf und Teillastbereich zu fett abgestimmt, vernuckelt unsere Testmaschien, Guzzi-untypisch, viel Superkraftstoff.
Zudem reagiert der Motor auf Vollgas unter 3500/min sehr unwillig. Lebendig wird der V-Twin eigentlich erst ab 4000/min.
Dennoch ist der Guzzi-Twin ein launemachender Brummer. Sein Metier sind freilich nicht Harley-artige Bollerdrehzahlen,
wohl fühlt er sich besonders im Bereich von 5000 bis 6500/min.
Anders präsentieren sich Kupplung und Getriebe. Zum einen sind immer noch Kraft, zum anderen Ruhe und Zeit beim Gangsortieren gefragt.
Mit dem Begriff Charakter tituliert man oftmals in Liebhaber-Kreisen solche Eigenarten.
Echtes Glanzstück der 1100 Sport ist die Marzocchi-Telegabel. Diese Gabel bietet neben vorzüglichen,
benahe BMW Telelever-artigen Ansprechen die Seltenheit von völlig praxisgerecht angebrachten Einstellrädchen für die Zug- und Druckstufendämpfung.
Einstellbar im brauchbaren Spektrum ohne Nonsensbereiche, und das ganze noch wärend der Fahrt, weil die Einstellknöpfe gross und auf den Holmenstopfen
installiert sind. Grosse Klasse! Genauso wie der serienmässige, direkt von der Schwinge angelenkte White Power-Monoshock. So etwas nennt man Serienausstattung!
Lob verteilen wir auch gerne an die Bremsanlage. Vorn wie hinten ist sie fein zu dosieren und beisst gut.
Vorn ist ausserdem die Hebellage auf die Handgrösse einstellbar. Tutto bene, signore!
Selbstverständlich gibt es auch die berühmten Kleinigkeiten. Der Seitenständer, vorn am Motorblock angeschlagen, ist umständlich zu bedienen,
er schnappt bei Entlastung selbstständig ein und lässt die Maschine zudem bei leichter Hanglage sehr wackelig stehen.
Oder die Kontrollleuchten, sie sind durch die Scheibenkontur verdeckt und nur in liegender Fahrhaltung zu sehen. Oder der Tankverschluss;.
An der Testmaschine sabberte der Sprit heraus. Auch die Lackqualität ist verbesserungswürdig. Die Tankoberfläche tendierte schon leicht in Richtung Orangenhaut.
Das Fazit des Testers: Für dynamische Guzzisten ist die 1100 Sport das beste je produzierte Seriengerät. ä
Ab Werk gibt es Basistuning, die Freaks können sich voller Elan an die Verfeinerung machen. Gewichtsverteilung, Gewicht abspecken,
Vergaser-Setup, ein paar Feinheiten im Detail. Dazu den tradionellen Schlosser-Motor mit fetten Stösselstangen.
Ein wenig antik, ein wenig skuril, aber viel Charakter. Mechanik, zu der man auch in Zeiten tieffliegender Hyperbikes stehen kann ohne Rot zu werden,
was neben der feurig lackierten Guzzi sowieso nicht auffallen würde.
| Hubraum cm³ | 1064 | Zahl der Gänge | 5 | Leergew. trocken kg | 221 |
Leistung (PS) bei 1/min-original |
90/ 7800 | Hinterradantrieb4) | Kardan | zul. Gesamtgewicht kg | 401 |
| Drehmoment Nm (kpm) bei 1/min | 95 (9,7) 6000 | Rahmenbauart, Werkstoff5) | Zentralrohrrahmen NiCrMoStahl | Tank/Reseve Liter | 19,0 / 5,0 |
| Bauart, Zylinderzahl1) | V, 2 | Beförderung | 2 Personen | Kraftstoffart | Super |
| 2-Takt/4-Takt | 4 | Gabel/Federbein | White Power | Vmax km/h | 230 |
| Bohrung/Hub mm | 92,0/80,0 | Batterie | Gel/liegend | Preis inkl. MwSt. u. Nebenk. Euro | ca.12000.-€ im Jahr 1996 |
| Verdichtung : 1/ | 9,8 | Radstand mm | 1475 | Modell wurde nur von 1996-1997 produziert | |
| Gassteuerung/Ventile2) | ohv/2 | Bremsen v/h6) | 2S/S | Vmax km/h | 230 |
| Abgasreinigung3) | damals???? he,he,he,he ! |
Reifen vorn | 120/70 ZR 17 |
Beschleunigung 0-100 Km/h sek | 4,2 |
| Einspritzung oder Vergaser: Zahl, Durchlaß mm | WEBER-Marelli Inj./1 Inj. pro Zyl. | Reifen hinten | 160/60 ZR 17 |
Verbrauch Liter/100 km | 5,5 |
| Starter | E | Sitzhöhe mm | 810 | ||